Dienstag, 29. Dezember 2015

Unser Beikostweg - Eating under One is just for FUN!

Mir war schon in der Schwangerschaft klar, was ich möchte und was nicht. Zum Beispiel wollte ich unbedingt stillen und biss mich trotz anfänglicher Schwierigkeiten durch und wir schauen nun auf eine fast ein jährige Stillbeziehung zurück.

Auch war mir die Sache mit dem Brei total suspekt. Generell sind mir "Beikostpläne" total suspekt und mich hat dieses Überangebot an kaufbaren Fressalien im Babyabteil der Drogerien sehr verschreckt. Babykekse? BabyWASSER? Kindermilch?

Zum Glück bin ich auf die natürliche Schiene gekommen und habe einen eigenen Weg gefunden. Auch weil ich selber versuche möglichst gesund und ursprünglich zu essen, d.h. wenig verarbeitete Lebensmittel.

Als ich etwas verunsichert mit unserer Kinderärztin über dieses Thema sprach, sagte sie mir ich solle ernsthaft mit 16 Wochen anfangen meinem Baby schrittweise Brei zu füttern. Ich dachte ich höre nicht richtig und schaute auf mein Kind und lies sie reden. Außerdem stillte ich mein Kind voll.

Unser Hochstuhl - Peg Perego Siesta. Mehrfach verstellbar und sehr gut anpassbar. Wird jetz abgelöst durch einen Ikea Hochstuhl. 
Ich hörte von der Fingerfood-Methode (BLW = Baby Led Weaning) und fand das viel cleverer. Ein Beikostkurs bei unserer Hebamme bestätigte meine Überlegungen. Die Vorteile lagen für mich auf der Hand:


  • warten bis das Kind bereit ist und Reifezeichen zeigt (gestützt sitzen können, Hand zum Mund führen)
  • Lebensmittel in ihrer ursprünglichen Art und Weise kennenlernen und nicht alles als homogene Matschepatsche
  • Feinmotorik schulen durch untersuchen der Speisen mit den Fingern
  • den Gaumen und die Zunge auf feste Nahrung "polen"
  • kein extra Kochen notwendig, keine Zusatzkosten für Gläschen
  • langsame Einführung von BEIKost statt ERSATZKost nach starrem Plan


Es kommt anders als man denkt

Mit 19 Wochen hatten wir eine Stillkrise. Daran erinnere ich mich sehr gut. Snüti war das erste mal krank geworden und sog mich wirklich aus, Tag und Nachts. Ich hatte den Eindruck, dass meine Brust gar nicht mehr hinterher kam mit der Produktion und fühlte mich so, als reiche meine Milch nicht mehr. Zu dem Zeitpunkt berichteten auch Freundinnen aus der Krabbelgruppe ähnliches und fingen an zuzufüttern mit Pre-Milch. Das habe ich allerdings nie gemacht und es kam nie in Frage für uns. Mit 20 Wochen gab es keine Besserung und ich weiß noch wie ich in den DM lief und Gläschen kaufte. Also das absolute Gegenteil von dem, was ich mir vorgenommen habe, aus blanker Not, mein Kind könnte ja verhungern bzw. nicht satt werden. Gebracht hat die Breisache NULL. Mir fiel auf:


  • dass Snüti keinesfalls bereit war, da sie den Löffel und die Mahlzeit von selber aus dem Mund beförderte (trotz dem sie den Löffel zum Mund führen konnte!)
  • dass das eher war für mich war, um mich beruhigen...
  • sie gerade von den Klassikern wie Karottenbrei furchtbare Bauchkrämpfe bekam. Bis heute kommt alles mit der sagenumwobenen Karotte so wie es rein kommt, wieder raus. 
  • dass auch der Getreidebrei zu absoluten Krämpfen führte. mein Baby das nur für mich tat, als Kooperation, aber nicht weil es sie wollte
  • dass Muttermilch viel mehr Kalorien hat als die Gemüsepampe...


... als ließen wir das bleiben nach 3 Tagen und stillten bis 6,5 Monate circa wieder voll.

Beikost Neustart im Urlaub

Unser erster gemeinsamer Urlaub als Familie stand an. Es ging nach Bibione in Italien. Dort waren wir alle trotz mega Hitze viel entspannter als zu Hause. Wir erworben dort unseren "Baby-Thermomix", den Chicco Delonghi & Me Baby Meal Robot, und probierten einfach mal ein paar Breie aus. Zum Beispiel einfachen Zucchini-Kartoffelbrei. Viel lieber interessierte sich unsere Maus für unser Essen und bekam ab nun an Kartoffel- und Süßkartoffelstücke. Es ging erstaunlich gut. Und auch vom Eis durfte sie mal kosten. Das viel beschworene Verschlucken konnten wir nur sehr selten beobachten. Generell ist man ja als Elternteil immer dabei beim essen und sollte wissen, wie zu handeln ist, sollte sich das Kind dennoch einmal verschlucken.

Wie es weiter ging

Im Sommer lieh ich mir ein schönes Buch aus und probierte viele BLW Rezepte von Loretta Stern aus an unserem Kind. Snüti liebte es sich mit z.B. mit einem herzhaften Muffin zu beschäftigen. Den Anspruch an eine saubere Wohnung + Kind, den haben wir schnell über Bord geworfen :-) Ich betrieb viel Mealprep und buk in der Mittagspause viele Muffins und Küchlein, um sie einzufrieren.

Ideen für Fingerfood wären zum Beispiel diese hier:


  • Zucchini - Dinkel - Muffins (Froster geeignet)
  • Kartoffel - Gemüse - Puffer (Froster geeignet)
  • Polenta Sticks (Froster geeignet)
  • gedämpftes Gemüse in Streifenform (Karotten, Kartoffel, Zucchini, Süßkartoffel, Fenchel)
  • Brokkoli oder Blumenkohlröschen mit etwas Butter
  • Eierkuchen
  • Filinchen mit Avocado oder Butter
  • Obstschnitzer


Das ging viele Monate gut und zwar auch OHNE ZAHN. Abends haben wir mit circa 7,5 Monaten angefangen einen Getreibe-Obst-Brei zu geben, als Ritual, zum selber löffeln. Den Brei hatten wir ohne Milch angerührt, da ich der Meinung bin meine Milch ist die wichtigste in dem Alter ;-)

Auswärts essen

Das unproblematischste überhaupt! Haben Sie schon mal ein 7 Monate altes Baby Bratwurst essen gesehen? Ich schon :-D viele Menschen um uns herum waren skeptisch, vorallem was die Sicherheit bzgl. des verschluckens angeht und waren dann erstaunt wie sehr unsere Maus reingehauen hat. Klöße, Roulade, griechisches Essen. Es hat ihr sehr geschmeckt und uns viel Nerven gerettet beim Restaurantbesuch oder beim Schwiegermutterbesuch...

Das Jahr neigt sich dem Ende... 

... und ich bemerkte seit sie circa 11 Monate als ist einen gesteigerten Appetit bei ihr und die junge Dame wollte auf einmal gefüttert werden!  ußerdem wurde der abendliche Brei auf einmal förmlich aus der Hand geschlagen, nach dem Motto "ich will was richtiges und nicht dieses Babyzeug". Jetzt mussten wir umdenken. Ab und an was in die Hand drücken war nicht mehr angezeigt. Also haben wir uns für einen Mittelweg entschieden, der weder Brei noch extrem stückig ist. Extrem stückig deswegen nicht, da ihr bei großen Hunger die Geduld fehlt um lange zu hantieren. Wir ermöglichen es dennoch parallel. Wichtig ist für uns, dass kein Zwang dahinter steht. Ich koche jetzt gehaltvoller und achte auf eine sättigende Komponente wie Getreide oder Reis und natürlich viele frische möglichst vollwertige Zutaten. Beispielsweise:


  • abendlicher Dinkel-Griesbrei mit Wasser/Milch und stückigen Früchten wie Birne, Apfel, Himbeere
  • warmer Hirse- oder Couscous-Brei mit angebratenem stückigen Gemüse wie Zucchini, Zwiebel oder Möhre
  • Risotto mit angebratener Zwiebel und verschiedenem Gemüse
  • Polenta-Brei mit geriebener Zucchini und Möhre
  • Haferflockenbrei (Porridge) mit Früchten der Wahl
Zwischenmahlzeiten haben wir beispielsweise nie gemacht. Wenn, dann habe ich gestillt und das hat locker ausgereicht. Jetzt ist es mit fast einem Jahr tatsächlich so, dass ich vormittags manchmal ganz rabenmütterlich einen Quetschie anbiete oder einen frischen Smoothie mache und nachmittags ebenfalls etwas Obst anbiete. Das funktioniert für uns! 

Mein Fazit

Das Thema Babybeikost spaltet die Mütter und polarisiert. Im Grunde möchte es jede Mutter einfach richtig machen. Ich denke persönlich, dass man genau schauen muss ist mein Kind so weit, oder bin ich es, die einen "Schritt weiter gehen" will. Beim zweiten Kind werde ich warten bis es so weit ist ohne vorher einzugreifen. Der Darm ist dann bereit, wenn er reif dazu ist und nicht wenn es in einem Lehrbuch steht. Viele Empfehlungen seitens der Kinderärzte scheinen mir sehr gepusht von der Gläschen- und Milchindustrie. Beim ersten Kinderarztbesuch bekamen wir erstmal eine riesige "HIPP"-Milchpulveraufbewahrungsdose in die Hand. Das schürt alles Unsicherheiten, die nicht sein müssten. Außerdem haben viele Mütter eine vollkommen falsche Vorstellung von Beikost, denn sie denken ihre Kinder dann sofort abstillen zu müssen bzw. Mahlzeiten aktiv zu ersetzen. Ich plädiere für eine umfassende Aufklärung durch Hebammen, Kinderärzte und vorallem dafür, dass wir Mütter uns selber neutrale Informationen beschaffen und uns eine Meinung bilden. Der Blick auf's eigene Kind ist der allerwichtigste und ist durch keinen Ratgeber der Welt zu ersetzen. In dem Sinne, guten Appetit! 


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